Elternbegleiter/innen, Butzbach und Bad Nauheim


Weltbeweger - Elternbegleiter/innen, Butzbach und Bad Nauheim

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Eltern für Eltern

Auch Eltern mit Migrationshintergrund möchten das Beste für ihre Kinder. Doch das deutsche Bildungssystem ist manchen von ihnen fremd und undurchsichtig. Hinzu kommen sprachliche Hürden. Eltern, die Eltern begleiten, wollen hier Brücken bauen und vermitteln.

Gebäck aus der Türkei“, sagt Meleks Mutter und stellt den Teller mit den süßen Köstlichkeiten auf den Tisch. Sie freut sich, einen Beitrag zum Kita-Fest leisten zu können. Jetzt gehört sie dazu, und ihre Tochter muss sich nicht mehr als Außenseiterin fühlen. Seit es in der Kita Elternbegleiter gibt, klappt die Verständigung zwischen Erzieherinnen und Eltern ausländischer Herkunft prima.
„Wir dolmetschen, vermitteln zwischen Eltern und Institution, sind Ansprechpartner und Brückenbauer zwischen den Kulturen“, sagt Ayana Senel, Mutter von drei Kindern – und eine von 17 Elternbegleiterinnen in fünf Kitas im hessischen Butzbach und Bad Nauheim. Die ehrenamtlich engagierten Eltern sind hier eine von drei Säulen im Projekt „frühstart“, das die deutsche und interkulturelle Bildung im Kindergarten fördert.
 
Ausgangspunkt waren 2008 Studien wie PISA. Diese zeigen, dass der Bildungserfolg stark vom sozialen Status und der Herkunft der Eltern abhängt und junge Menschen mit Migrationsgeschichte ohne ausreichende Deutschkenntnisse von der Ausgrenzung im Bildungssystem besonders betroffen sind. Und: „Die kulturelle, sprachliche und soziale Vielfalt in den Kindergärten nimmt zu“, so Senel. Bundesweit hätten bereits heute ein Drittel aller Kinder unter fünf Jahren eine Zuwanderungsgeschichte. Erzieherinnen würden in ihrer Ausbildung aber „meist nur unzureichend“ darauf vorbereitet. Eltern aus anderen Kulturen wiederum mangle es oftmals an den notwendigen sprachlichen Fähigkeiten und den Kenntnis über das deutsche Bildungssystem.
 
Fazit für die Kita-Verantwortlichen in mehreren hessischen Kommunen: „Es besteht großer Handlungsbedarf, möglichst früh mit der Sprachförderung und der interkulturellen Bildung zu beginnen.“ Da Eltern eine zentrale Akteuren in der Erziehung, Bildung und Sozialisation ihrer Kinder sind, übernehmen sie bei „frühstart“ einen zentralen Part. Sie werden zu Elternbegleitern ausgebildet.
 
Die Mütter und Väter – manchmal auch Großeltern – erhalten unter anderem Schulungen in den Bereichen Sprachförderung, sozialer und interkultureller Kompetenz, Konfliktlösung, Gesundheit und Bewegung sowie Bildungssysteme. Außerdem lernen sie regionale Beratungsstellen, Bildungseinrichtungen und Vereine kennen. „So lassen sich Schwellenängste überwinden und gute Vernetzung herstellen“, weiß Senel. Und da die Elternbegleiter aus unterschiedlichen Kulturkreisen kommen und somit mehrere Sprachen sprechen, können sie Familien auch in ihrer Muttersprache ansprechen. Das wecke Vertrauen und fördere den Austausch. So sind in den Projekt beteiligten Kitas regelmäßige Elterntreffs Standard. Elterncafés wurden eingerichtet, andernorts gehen sie gemeinsam spazieren oder kochen zusammen. „Immer bieten sich Möglichkeiten, miteinander ins Gespräch zu kommen und Erfahrungen und Gedanken auszutauschen“, berichtet Senel. Ferner ermöglichen die engeren Kontakte zwischen den Eltern und den Elternbegleitern Unterstützung im Alltag – auch über den Kita-Alltag hinaus.
 
Das Projekt wurde im Rahmen der Kampagne Geben gibt. nominiert für den Deutschen Engagementpreis 2010.
 
© Stiftung Bürgermut , www.weltbeweger.de
Bearbeitet: Stiftung Bürgermut
 

 

 
Experten-Tipp:
„Da Elternbegleiter/innen meistens in Konfliktsituationen hinzugezogen werden, wird von ihnen nicht nur die Rolle des Dolmetschers abverlangt, sondern auch die Rolle des Schlichters und des Vermittlers zwischen Kulturen oder sogar zwischen Frau und Mann“, betont Ayana Senel. Dabei könnten die Ehrenamtlichen leicht in die Rolle einer professionell pädagogisch ausgebildeten Fachkraft gelangen. Deshalb sei hier ein hohes Maß an Selbstreflektion und die kritische Auseinandersetzung und Abgrenzung gegenüber Problemen notwendig. In regelmäßigen Treffen sollte Elternbegleiter/innen deshalb die Möglichkeit gegeben werden, sich auszutauschen und über ihre Erfahrungen zu berichten. Zusätzlich werde in Butzbach und Bad Nauheim meistens von den Koordinierungsstellen ein Referent zu einem gewünschten Thema eingeladen.
 
Kooperation/Erfolge:
Parallel zu den Elternbegleitern im Rahmen des Projektes „frühstart“ bildet die Stadt Bad Nauheim „Elternbegleiter von Anfang an“ (EVA) aus. Beide Projekte sollen nach Ende der Projektförderung zu einer Einheit verschmelzen und mit einer Koordinierungsstelle im Kinder- und Jugendbüro der Stadt fortgesetzt werden. Denn beide Projekte hätten gezeigt, dass das niederschwellige Angebot, Vertrauen schaffe und helfe, Ängste vor Behörden und Jugendamt abzubauen. „Eltern erkennen, dass wir ihnen helfen möchten und nicht ihre Kinder wegnehmen wollen“, heißt es aus dem Rathaus.
 
 
 
Information zum Projekt „frühstart“:
Bei dem Projekt „frühstart – deutsche und interkulturelle Bildung im Kindergarten“ handel es sich um ein Gemeinschaftsprojekt der Hertie-Stiftung, der Türkisch-Deutschen Gesundheitsstiftung e.V., der Gölkel Stiftung und des Hessischen Ministeriums für Arbeit, Familie und Gesundheit in Zusammenarbeit mit dem hessischen Kultusministerium und Kommunen. Es wurde 2004 entwickelt und im September 2008 gestartet. Insgesamt 36 Kindergärten in zehn Städten nehmen derzeit am Projekt teil. Mit seinen drei Bausteinen Sprachförderung, interkulturelle Bildung und Elternarbeit legt frühstart“ bereits im Kindergarten den Grundstein für Integration und schulischen Erfolg. Im Sinne einer umfassenden Integrationsförderung soll es zudem eine besseren Vernetzung der Akteure im Bereich Bildung und Integration vor Ort beitragen.
 
Web-Links:
Internetseite der Hertie-Stiftung, die über das Gesamtprojekt „frühstart“ informiert:
www.projekt-fruehstart.de
 
Informationen der Stadt Bad Nauheim zum Projekt „frühstart“ und Ansprechpartner für jene, die Informationen wünschen:
http://bad-nauheim.de/kinder-und-familien/fruehstart.html
 
Internetseite der Türkisch-Deutsche Gesundheitsstiftung e.V:
www.tdg-stiftung.de/cms/index.php?l=de&&linkid=73
 
 
 
 
Infos zur ge meinnützigen Gölkel Stiftung:
Die Gökel-Stiftung ist eine private Initiative, die in Kooperation mit gemeinnützigen Organisationen verschiedene Projekte unterstützt, um menschliches und tierisches Leid und wirtschaftliche Not zu lindern, kulturelle Vielfalt zu fördern und die Erde als natürlichen Lebensraum für Mensch und Tier zu bewahren.
 
 
 
Infos zur gemeinnützigen Hertie-Stiftung:
Sie baut auf dem Lebenswerk des 1972 verstorbenen Stifters Georg Karg, Inhaber der Hertie Waren- und Kaufhaus GmbH, auf. Mit ihrem Vermögen von rund 830 Millionen Euro und einem jährlichen Fördervolumen von durchschnittlich 25 Millionen Euro gehört die Hertie-Stiftung zu den größten privaten Stiftungen Deutschlands. Seit 1998 besteht keinerlei Unternehmensbindung mehr. Ihre drei Förderbereiche: Neurowissenschaften, Europäische Integration und Erziehung zur Demokratie.
 
 
 
Informationen zur Türkisch-Deutschen Gesundheitsstiftung e.V.:
Diese besteht seit 1988. Ein Hauptziel der Stiftung ist das Erforschen der spezifischen gesundheitlichen Probleme der in Deutschland lebenden türkeistämmigen Mitbürger und der anschließenden Umsetzung in präventiv-medizinische Maßnahmen. Die Stiftung arbeitet eng mit nationalen und internationalen Organisationen im Bereich Gesundheit und Soziales zusammen

 

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