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Internationale Schulköchinnen zaubern Spezialitäten auf den Teller

Kinder einer Augsburger Schule können sich freuen: Täglich gibt es Spezialitäten aus anderen Ländern. Denn das Team, das die Speisen zubereitet, besteht aus Köchinnen verschiedener Kulturen. Sie lernen sich beim Kochen kennen und verbessern dabei ihre Sprachkenntnisse.
Bernd Beigl in Augsburg ist ein Ideen-Produzent. Ständig sorgt er mit neuen Projekten für Aufmerksamkeit, so auch mit der Kulturküche im Augsburger Stadtteil Oberhausen. Das Projekt ist Sprachkurs, Integration und Arbeitsplatz für Frauen aus verschiedenen Nationen. Für den gelernten Bankkaufmann, Jahrgang 1967, steht hinter der Kulturküche die Überlegung, dass sich vor allem Frauen mit Migrationshintergrund schwer tun, in ihrer neuen Heimat Anschluss zu finden. Viele sprechen kein Deutsch, haben keine Arbeit und bleiben deshalb unter sich. Bernd Beigl sorgte dafür, dass Frauen in der Kulturküche Oberhausen gemeinsam kochen, damit Geld verdienen und ganz nebenbei Deutsch lernen. Alles begann 2006 mit einer Rezeptsammlung für ein internationales Kochbuch.
 
Über die Stadtteil-Kinder stellte Bernd Beigl den Kontakt zu Müttern her und bat diese in einem Flyer, ihre Lieblingsgerichte zu verraten. Die Resonanz war groß: Aus 60 Rezepten aus 31 Ländern wurde schließlich das Kochbuch: 5 Sterne für Oberhausen. Vorher waren alle Rezepte in einem Kochkreis ausprobiert worden. Vom russischen Eintopf über eine afghanische Gemüseplatte und schwäbische Kässpatzen bis zum pakistanischen Pokora ist darin alles vertreten. Klar, in der Küche gab es Sprachbarrieren, aber diese konnten mit Mimik und Gesten, mit Teamgeist und Spaß an der Sache überwunden werden.
 
Vom Erfolg ermutigt, begann Bernd Beigl, das von der EU geförderte Integrationsprojekt Lokales Kapital für soziale Zwecke, kurz LOS, weiter auszubauen. In einer angemieteten Küche lernten die Hobbyköchinnen das professionelle Kochen. 2007 wurde die Kulturküche in der Drei-Auen-Schule in Oberhausen eröffnet. Dort werden seitdem nicht nur die Schulkinder für 3,20 Euro pro Menü, sondern auch externe Besucher für 3,80 Euro (04/2009) aus der internationalen Küche verköstigt. Die Kulturküche hat von 10 bis 18 Uhr geöffnet, die Essenszeiten sind von 12 bis 14.30 Uhr.
 
In der Kulturküche sind zwölf Frauen aus acht Nationen auf 400-Euro-Basis beschäftigt. Bei jeder Schicht arbeiten drei Frauen aus unterschiedlichen Ländern. Um sich zu verständigen, müssen sie also Deutsch sprechen. An die Kulturküche sind jetzt auch noch ein Cafébetrieb sowie ein Catering-Service angegliedert worden. Das Projekt finanziert sich komplett aus den Einnahmen aus Mittagessen, Café und Catering. Damit kann Bernd Beigl die Lebensmittelkosten und den Lohn für die Köchinnen decken als auch seinen eigenen Lebensunterhalt bestreiten. Einige der Köchinnen werden inzwischen in Fortbildungen an einen erweiterten Aufgabenbereich, wie Kalkulation und Speiseplangestaltung herangeführt. Denn in Zukunft soll der Betrieb als Genossenschaft weitergeführt werden, die weitere Dienstleistungen anbietet. Angedacht ist eine Internationale 5 Sterne-Marmeladenfabrik, Kindergeburtstagsfeiern, sowie kulturelle Veranstaltungen und Lesungen in den Räumen der Kulturküche.
 
Mit diesem Projekt wurde Bernd Beigl 2007 Träger des Augsburger Zukunftspreises und des Werner-Bonhoff-Preises für sein großes Engagement auch mit anderen Projekten.
 
 
 
Gefunden und geschrieben von: Stephanie Roschanski
Bearbeitet von: Marilis Kurz-Lunkenbein
 
 
Expertentipp:
„Das A und O ist, ausländische Mitbürgerinnen dazu zu motivieren, sich gegenüber unserem Umfeld zu öffnen, ohne sie dazu zu drängen, die Gewohnheiten ihrer Herkunftsländer aufzugeben“, sagt Bernd Beigl. Und: „Der erste Arbeitschritt war, eine Vertrauensbasis zu schaffen. Schließlich trat ich als Mann in eine Frauendomäne ein.“ Doch durch einige Kochtricks und glaubhaftes Auftreten gewann Beigl langsam das Vertrauen der Frauen. Sie fanden immer größeren Gefallen daran, sich zu präsentieren und ihr eigenes Geld zu verdienen. Bis heute bewerben sich jede Woche zwei bis fünf Frauen als Köchinnen.
 
Web-Links:
Bernd Beigls Kulturküche:
http://www.augsburglebt.de/pageID_2468434.html
 
Das EU-Förderprogramm Lokales Kapital für soziale Zwecke (LOS):
http://www.los-online.de/content/index_ger.html
 
Übersicht über Bürgerschaftliches Engagement in Augsburg:
http://www.buendnis.augsburg.de
 
Preisträger der Werner-Bonhoff-Stiftung:
http://www.werner-bonhoff-preis.de/preistraeger.html
 
Interkulturelle Arbeit:
http://www.buergergesellschaft.de/praxishilfen/sozialraumorientierte-interkulturelle-arbeit/106523/
 
 
Literaturtipps:
Beigl, Bernd: 5 Sterne für  Oberhausen, Augsburger Buchhandel, 7,80 Euro
Bestellung unter: rix-augsburg@t-online.de